Kaum zu glauben, aber in Deutschland gibt es Amazons Alexa erst seit einem Jahr und Google Home sogar erst seit ein paar Monaten. Und auch, wenn es keine offiziellen Zahlen von Seiten Amazons gibt, geht man aufgrund von Serverdaten davon aus, dass es schon über eine halbe Million smarte Assistenten in Deutschlands Haushalte geschafft haben. Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die öffentliche Debatte über Privatsphäre bei dieser Produktkategorie nicht über die Neugier auf Produktinnovationen siegen kann.

Jetzt, nach nur einem Jahr, sehen wir erneut eine Evolution der smarten Assistenten. Sie lernen laufen.
Im Oktober hat Bose seine beliebten High-End Kopfhörer QC35 überarbeitet. Nun ist der Google Assistent direkt in den Kopfhörern verbaut. So muss der Träger gar nicht mehr sein Smartphone hervorholen, sondern kann mit einem einfachen Sprachkommando wie „Ok Google“ den Assistenten aktivieren und mit ihm interagieren. Unterwegs kann er dann auch so einfache Aufgaben übernehmen wie die Spotify Playlist zu wechseln, oder eingehende Nachrichten vorzulesen, wenn der Träger beispielsweise auf dem Fahrrad sitzt und sich dem nicht widmen kann.
Nach wie vor ist für die Nutzung aller Features aber ein gekoppeltes Smartphone notwendig.

Das Startup Inspero Inc., 2014 von zwei MIT-Alumni gegründet, hat mit ihrem Produkt noch viel weitreichendere Pläne als Bose. Unter dem Namen Vinci 2.0 wollen sie einen Kopfhörer auf den Markt bringen, der als Assistent Alexa integriert hat und völlig unabhängig von einem Smartphone verwendet werden kann. Möglich wird dies durch eine SIM Karte, die direkt in den Kopfhörern verbaut ist. Zu den vermutlich aufkommenden Tarifen ist auf der zugehörigen Kickstarter-Seite noch nichts zu lesen.
Inspero hat bereits 2016 eine erfolgreiche Kickstarter Kampagne für die ersten Vinci Kopfhörer durchgeführt, die zwar einige Schwächen hatten, aber von Kritikern im Allgemeinen gut aufgenommen wurden. Mit der mobileren 2.0 Version untermauert das Unternehmen seine Mission, Produkte smart zu machen, die bisher für ihre Verwendung auf ein Smartphone angewiesen waren.

Damit bekommt das altbekannte Smartphone im Jahr 2017 auf einmal Konkurrenz aus unerwarteten Produktkategorien, denn auch die Apple Watch 3 kann dank eSim ohne Smartphone genutzt werden. Angepasste Apps und Assistenten machen die Bedienung auch jenseits des Touchscreens einfacher denn je.

Zusammenfassung: Sprachassistenten wie Alexa und Google Home werden vermehrt in ungewohnten Endgeräten wie Kopfhörern integriert, wodurch der Nutzer nicht mehr ständig auf sein Smartphone angewiesen ist. Einige Hersteller statten ihre Geräte sogar mit Mobilfunk-Empfang aus, um sie eigenständig nutzbar zu machen, wodurch das Smartphone in geringen Teilen an Relevanz verliert.