87 Millionen Facebook Likes auf der internationalen und 2,4 Millionen Likes auf der deutschen Facebook Seite, das sind nur zwei der beeindruckenden Zahlen, die Tasty umgeben. Die nächste wäre, dass die offizielle Tasty Facebook Seite erst im Juli 2015 gelaunched wurde. 87 Mio. Likes in nur zwei Jahren und das fast nur durch Rezeptvideos.
Tasty entstammt dem Buzzfeed Universum und ist in Deutschland namentlich gar nicht so bekannt. Die Art, wie die Videos, in denen Rezepte aller Art vorgestellt werden, abgefilmt werden, hingegen schon. Immer von oben mit Untertiteln, weil Facebook Video kein Autoton Feature hat und für gewöhnlich sehr kurz. Und sehr appetitanregend.

Es gibt wohl kaum jemanden der sich durch die sozialen Kanäle bewegt und noch kein Video von Tasty gesehen hat. Und es gibt auch kaum ein Medienunternehmen, das seinen Content so strategisch und Zielgruppen gerecht aufarbeitet wie Tasty. Die Videos, in denen nur ein Rezept gezeigt wird, sind weniger als zwei Minuten lang, weil das die maximale Aufmerksamkeitsspanne für derartigen Content ist. Das Format der Videos ist nicht 16:9 wie man es von Youtube gewöhnt ist, sondern quadratisch, 1:1. Warum? Tasty Videos werden vor allem auf mobilen Endgeräten angeschaut und da sollen sie in jeder Ausrichtung des Handys, ob vertikal oder horizontal, gut aussehen.

Bei dieser strategischen Herangehensweise ist es kein Wunder, dass die Marke jetzt um fassbare Produkte erweitert wird, die unheimlich gut ineinander greifen. Das erste Produkt ist eine App, in der alle Rezepte der letzten Jahre enthalten sind, mit diversen Filtermöglichkeiten zur Kategorisierung.
Und das zweite Produkt ist eine Induktionsplatte, die mit der App synchronisiert werden kann.

Durch die Synchronisierung regelt die Herdplatte automatisch die Temperatur herunter, wenn es im Rezept angegeben ist und sie kann den Nutzer sogar auffordern, seine Pfannkuchen zu drehen, sobald sie auf einer Seite goldbraun sind (siehe Video).
Gerade in Kombination mit der App stellt der Tasty One Top eine echte Konkurrenz zu Produkten wie dem Thermomix dar. Der Markt für automatisierte Kochsysteme ist aktuell noch nicht stark umkämpft und bietet viel Spielraum für Wettbewerb.
Vor allem preislich schießt das Produkt aus den Tastylabs scharf: Mit 149$ ohne und 189$ mit, induktionsgeeigneten Kochgefäßen, ist es fast 1000€ günstiger als der Thermomix. Natürlich werden mit beiden Produkten völlig unterschiedliche Zielgruppen angesprochen und der Funktionsumfang des Thermomix geht weit über das Kochen selbst hinaus, doch für den uninformierten Verbraucher ist das schon ein gewaltiger Unterschied.

Bezüglich der Zielgruppen: In dem Video gibt es eine interessante Stelle, in der hervorgehoben wird, wie Instagram-geeignet das Produktdesign der Induktionsplatte ist.

Learning: Auch Buzzfeed beweist, was in den letzten Monaten immer offensichtlich geworden ist. Hardware wird zur lohnenden Zweitentwicklung für Unternehmen, die sich mit Software und Content profiliert haben. Es scheint immer mehr, dass die Zeiten, in denen ausgeklügelte Gerätschaften das Zugpferd für Marken waren, vorbei sind, und nur noch einen sekundären Platz einnehmen. Ein Hinweis darauf ist auch die Aussage, dass der Tasty One Top (vorerst) nur in limitierter Anzahl verkauft wird. Buzzfeed will den Markt für so ein Produkt testen, bevor sie richtig investieren.