Gerade ist ein interessantes Projekt auf Kickstarter online gegangen. Kiddo, ein Wearable speziell für Kleinkinder bis 10 Jahren. Sieht aus wie eine Uhr und wird auch genau so am Handgelenk getragen. In der doch etwas klobigen Form verstecken sich die klassischen Fitnesstracker Sensoren: Puls-, Hauttemperatur-, Schweiß- und Bewegungsmesser. Es gibt kein klassisches Interface wie wir es kennen an dem das Kind selbst herumspielen könnte. Stattdessen werden die ermittelten Daten in einer App dargestellt, die die Sorgeberechtigten auf ihren Smartphones laufen lassen.
Hier lässt sich dann auslesen, wie aktiv das Kind den Tag über war, oder wie gut es die Nacht hindurch geschlafen hat. Auch, ob der Puls in bestimmten Situationen ungewohnt hoch ist, soll die App anzeigen. Auch hier ist ein Algorithmus am Werk, der die Ergebnisse interpretiert und auf ihrer Basis Empfehlungen ausspricht. Dazu gehören mitunter Ernährungsvorschläge, aber auch die Möglichkeit, das Kind per Spiel zu mehr Bewegung anzuleiten.
Das offizielle Kickstartervideo illustriert die Funktionalitäten nochmal eindeutig.

Eine gute Idee, oder geht diese Art von Wearable zu weit?
Wenn die Macher von Kiddo über die Idee an sich reden, reden sie in erster Linie über die Diskrepanz zwischen den Lebenswelten in denen sich Eltern und Kinder in der heutigen Zeit befinden. Während die Eltern in einer digitalisierten Arbeitswelt zu hause sind und sehr viel länger arbeiten als früher, sind die Kinder noch größtenteils analog unterwegs.
Hier soll Kiddo den Eltern helfen mehr Sicherheit über das Befinden ihres Sprösslings zu entwickeln, indem es alles überwacht. Ähnlich wie die Gadgets, die wir als Erwachsene in unseren Wohnraum holen, ist auch Kiddo in erster Linie ein Convenience Tool. Eltern können sich mit dem Kauf ein Stück Sicherheit aufs Handy holen, dass es dem Kind gut geht. Doch damit treten sie vielleicht auch die Verantwortung ab, sich mit ihrem eigenen Kind ausreichend zu beschäftigen um derartige Probleme selbst zu erkennen. Kann es sein, dass Fürsorge auf der Strecke bleibt, wenn wir eine App haben, die uns versichert, dass rein körperlich alles gut ist?
Und wer garantiert einem, dass die Daten nur bei den Eltern landen? In einer dystopischen Zukunft werden die Aktivitätsdaten direkt ans Jugendamt weiter geleitet. Wenn die Aktivität unter ein gesetzlich vorgeschriebenes Level fällt, wird den Eltern vielleicht das Sorgerecht entzogen… in einer dystopischen Zukunft versteht sich.

Learning: Kinder in einer digitalen Welt ist immer ein schwieriges Thema. Wann gewöhnt man sie an die digitale Umgebung, welche Geräte sind für sie geeignet?
Aktuell gibt es noch sehr wenige öffentliche Diskussionen um Kiddo und seinen Zweck, es ist also schwer zu sagen, wie die breite Öffentlichkeit auf das Produkt reagiert. Was aber klar ist: Das Finanzierungsziel der Kampagne ist bereits erreicht und auch wenn man Kickstarterprodukte immer pessimistisch betrachten sollte, das Kiddo wird es wohl geben.