In Tokio, Japan, stehen zwei Museen des Kunstkollektiv „teamLab“. In den von außen wenig spektakulären Gebäuden erleben Besucher interaktive Ausstellungen, die mit den Sinnen spielen und sie täuschen. Hier wird klar, welche Verbindung Kunst und Digitalisierung eingehen können.

Klassische Museen sehen schon nach Kultur aus, wenn man vor ihnen steht. Herrschaftliche Bauten aus vergangenen Jahrhunderten, aussagekräftige Vertreter ihrer eigenen Epoche oder ultramoderne Glas- und Stahlkästen beherbergen tausende Ausstellungen rund um den Globus und prägen unser Bild davon, wie ein Museum auszusehen hat. Und während Mobilität, Leben und Entertainment durch die Digitalisierung konstant neu erfunden werden, wirkt Kunst doch herrlich anachronistisch und eher stillstehend. Wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten.

Dass es auch anders geht, dafür aber unsere klassischen Erwartungen an Kunst auch abgelegt werden müssen, beweist das Kollektiv „teamLab“ aus Japan. Zwei große Ausstellungen in Tokio und diverse kleine Popups rund um die Welt werden aktuell von einem 400 Personen starken Team aus Künstlern, Programmierern, Ingenieuren, Animatoren, Mathematikern und Technikern betrieben. Die Inszenierungen von „teamLab“ sind raumfüllend und können nicht einfach irgendwo untergebracht werden. Für einen grundlegenden Eindruck in die Einzelausstellung „Planets“ kann man den folgenden Link aufrufen.

Was wie ein Drogentrip wirkt, sind fein ausgearbeitete Sinneserfahrungen. Untergebracht in schlichten Betonbauten, die von außen eher Lagerhallen ähneln, wird der Besucher durch verschiedene Räume geführt, die dank modernster Technik, aber auch ganz simplen Ideen zur interaktiven Erfahrung werden. In dem Raum „Crystal World“ gibt es keine fassbaren Grenzen, weil Boden, Wände und Decke komplett verspiegelt sind. Licht spenden tausende LED Fäden, die wie in einem Spiegelkabinett Gänge bilden. Im Zusammenspiel mit atmosphärischer Hintergrundmusik ändern sich die Farben, werden Formen durch Licht erzeugt und nehmen den Besucher ganz ein. In einem anderen Raum steht man kniehoch in milchigem Wasser, auf das Koi projiziert werden, die um einen herumschwimmen. Kollidiert einer der Karpfen mit einem Besucher, vergeht er in einer Explosion aus Blüten. All das geschieht sehr unaufgeregt, es gibt keine Schreckeffekte oder unangenehmes. Man fühlt sich wie in einen angenehmen Traum gelullt.

Möglich wird diese Art von Interaktion dadurch, dass die Ausstellungen mehr wie Attraktionen als wie klassische Museen behandelt werden. Kauft man ein Ticket, muss man sich für eine feste Zeit entscheiden, zu der man die Ausstellung besuchen will. Bei Eintritt bekommt dann jeder Besucher eine wasserdichte Handyhülle (man ist sich dem #instagramable Faktor deutlich bewusst) und einen Spind, in dem man Schuhe, Socken und Rucksäcke verstauen kann. Dann begibt man sich auf den Weg. Stiefelt man durch Wasser, werden danach Handtücher gereicht.

Zusammenfassung: teamLab ist ein Vorreiter in diesem Bereich, doch in den nächsten Jahren werden wir vermehrt Ausstellungen sehen, die komplexe digitale Systeme nutzen, um den Besucher in ihren Bann zu ziehen. In der Hamburger Hafencity startet nächstes Jahr das Konzept „Märchenwelten“, was von den bisherigen Bildern ausgehend sehr ähnlich zu „Planets“ sein könnte. Es lohnt sich, einen Blick hinein zu werfen und sei es auch nur um zu sehen, welche Zukunft die Kategorie Kunst in der Digitalisierung haben könnte.